Amman und der Norden

Grün und frisch hiess uns Amman Willkommen. Und es war so still. Kein Hupen, kein Drängeln, die Autos fuhren auf einer vorgesehen Spur und es gab keine Kühe auf der Strasse. Wir waren in Amman, der Hauptstadt Jordaniens (6,5 Mio. Einwohner) angekommen. Als Hauptstadt des Haschimitischen Königreichs Jordanien beherbergt sie rund ein Drittel der Einwohner des Landes und ist eine moderne Stadt, in der Muslime und Christen (5 %) zusammen leben. Als heutige Finanzmetropole begann sie erst nach der Staatsgründung Israels infolge der Flüchtlingsströme aus dem Westjordanland zu einer Großstadt heran zu wachsen. Dort wollten wir bleiben, rund 3 Wochen, die Menschen kennenlernen, das gute Essen geniessen, das Land erkunden und die arabische Kultur auf uns wirken lassen.

Gleich am zweiten Tag unternahmen wir unseren ersten Erkundungsgang in das Stadtzentrum. Auf dem Weg dorthin schritten wir vorbei an breiten Strassen, befahren von zahlreichen modernen Jeeps, sowie an Kalk- und Betonbauten, mit typischer orientalischer Architektur. Das ganze durchsetzt von hohen Türmen der internationalen Hotels und Shoppingmalls. Unser Interesse galt dem alten Kern der Stadt. Wir durchstreiften unterschiedliche Viertel und mussten uns eingestehen, dass das Erklimmen der einzelnen Hügel, auf denen die Stadt gegründet wurde, doch nicht so einfach ist. Doch nach einer Stärkung mit Hommos, Fattoush Taboulé und dem typischen orientalischen Fladenbrot, konnte uns auch die Stadtzitadelle nicht trotzen. Blauer Himmel, kleine Schleierwölkchen und ein herrlicher Ausblick auf die umliegenden Hügel der Stadt. Wir durchstreiften die Zitadelle, besuchten den Omeiadenpalast und die Ruinen des Herkulestempels. Neben diesem kulturellen Höhepunkt beherbergt die Stadt noch eine ganze Reihe anderer Sehenswürdigkeiten, wie das römische Theater, oder die Hussein und Abdullah Moschee. Eigentlich hatten wir Amman recht schnell erkundet und so konnten wir unseren Aufenthalt in Amman auf soziale Aspekte fokussieren und den Norden erkunden.

Darüber hinaus wurde uns auch die Begegnung mit “The Duke” nicht entbehrt. Ein hochgewachsener, Mitte 70ig jähriger Mann der vom jordanischen Königspaar zum Herzog der kulturellen und historischen Schätze Jordaniens gekürt wurde. Unsere Begegnung mit “The Duke” verlief einemal sehr schnell und seltsam, ein anderes Mal sehr heiss. Als Besitzer einiger warmer Quellen im Norden des Landes, konnten wir entspannt in eines der ehemaligen Römerbäder einauchen und uns die isralisch-syrische Luft, der naheliegenden Nachbarländer, um die Nase blasen lassen.

Immer wieder wurde uns aufgezählt, was wir in Jordanien auf keinen Fall verpassen sollten. Wir machten uns also eine Liste und wollten diese Highlights in den nächsten Wochen erledigen. Ganz oben auf der Liste stand die Stadt Jerash. Im Norden gelegen, eine ehemalige römische Stadt, wo heute noch auf einer Distanz von 5 km Überreste dieser römischen Stadt erkunden kann. Jerash liegt auf einer, von bewaldeten Hügeln und fruchtbaren Tälern umgebenen, Ebene. General Pompeius eroberte die Stadt im Jahre 63 v. Chr. und so fiel Jerash Rom zu und wurde in den Bund der zehn großen römischen Städte, der Dekapolis, aufgenommen. Jerash ist ein großartiges Beispiel für die groß angelegten römischen Provinzsiedlungen, die über den gesamten Nahen Osten verbreitet sind. Bei unserem Rundgang entdeckten wir gepflasterte und von Kolonnaden gesäumte Straßen, auf Hügeln thronende Tempel, stattliche Theater, großflächige öffentliche Plätze, Badehäuser, Brunnen und mit Türmen und Toren versehene Stadtmauern. Das Wetter hatte sich an unserem Ausflugstag gegen uns verschwört. Dunkle Wolken, Regen, Hagel und hier und da mal einen Sonnenstrahl. Was solls, wir gehen trotzdem. Wir hatten auf unserer Reise bereits schlimmerer Witterungsverhältnisse durchgestanden. Eine Stunde Fahrt. An diesem Freitag war nicht viel los, wie jeden Freitag, dem Gebetstag der Muslimen. Nach einem halbstündigen Marsch erreichten wir den Eingang der ehemaligen Römerstadt, die auch heute noch das Stadtbild der restlichen Stadt prägt. Immer wieder entleerten sich die Wolken über unseren Köpfen und der kalte Wind blies uns um die Nase. Hier und da schlich sich die Sonne durch die Wolken und die Sonnenstrahlen fielen auf die einzelnen Ruinen der Stadt, sowie auf den hellgrünen Untergrund. Im Frühling ist Jordanien besonders schön. Denn als Wüstenstaat erhält das Land das ganze Jahr über nur wenig Regen. Und so sind die ersten Monate des Jahres, die farbenfrohsten überhaupt, grüne Wiesen, roter Klatschmohn, lilafarbene und weisse Blümchen spriessen aus der Erde. Genau dieses Farbspiel eröffnete sich vor unseren Augen als wir an diesem Tag durch die Ruinen Jerashs schlenderten und die Natur und Geschichte dieses Landes auf uns wirken liessen.

Müsste man Jordanien landschaftlich unterteilen, wäre dies recht einfach. Der Norden, an der Grenze Syriens und Israels, sowie die Hauptstadt profitieren, im Vergleich zum Rest des Landes, von reichlich Niederschlag und sind kühler als der Süden. Zudem ist das Gebiet um das Tote Meer durch höhere Temperaturen geprägt. Auch wir wollten dieses Gebiet erkunden und testen ob wir effektiv keinen Fuss auf den Grund dieses Binnensees setzen könnten. Der Weg dorthin führte uns über den “Desert Highway” erstmal durch die Wüste. Eine gerade, endlose Strasse führte vorbei an hohen Felsen, Kieselsteinen und Sand. Hier und da mal eine kleine Oase, eine Wüstenstadt, eine Industriezone. Schildern die vor freilaufenden Kamelen warnten und hier und da mal eine Tankstelle, Gott sei Dank! Bei unserer Wüstendurchfahrt näherten wir uns allmählich steil abfallendem Gebirge, dem Abarim um von dort aus den Berg Nebo zu erklimmen. Auf der Bergspitze besuchten wir ein kleines Touristenzentrum, welches über die Geschichte Moses berichtet. Wir liessen unseren Blick über das Heilige Land schweifen und konnten von hier aus eine grosse blauschimmernde Wasserfläche erblicken sowie einen Teil Israels.

Nach einer weiteren einstündigen Fahrt traten wir ein in die “Amman Beach”, eines der vielen Resorte entlang des Toten Meeres. Das Tote Meer bildet einen abflusslosen rund 800 km² großen Salzsee, der  in einer Senke liegt und so ein Teil des Grossen Afrikanischen Grabenbruch darstellt. Das Tote Meer liegt unterhalb des Meeresspiegels (rund 400 m) und die Resorte entalng seiner Küste sind beliebte Ausflugsziele der Ammaner am Wochenend, die sich gerne nach einer Stunde Autofahrt hier die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und sich den ominösen Schlamm des Toten Meeres auf die Wangen und den Bauch schmieren. Anscheinend soll es zur Hautverjüngung beitragen. Und so entdeckten wir neben uns im Sand ein Paar, wo bei der Frau nur noch Augen, Mund und Schwimmkleidung erkennbar waren. Sie liess sich nieder im Sand und wartete ab bis der Schlamm verkrustete und nach und nach abfiel. Zwischendurch wagten auch wir uns ins Wasser tauchten zuerst unsere Füsse ins Wasser, dann den ganzen Körper. Das Wasser war überhaupt nicht kalt. Schnell stellten wir fest, dass unsere Füsse gar nicht unten bleiben wollten und wir uns umsehend auf dem Rücken befanden, die Beine ausgestreckt, leicht wie eine Feder. Der hohe Salzgehalt erklärt sch dadurch, dass der See keinen Abfluss hat. Durch das trockene Wüstenklima verdunstet das Wasser schnell, wobei Mineralien, Salze und anderes zurückbleiben und sich im Toten Meer anreichern. Wir verweilten dort, genossen die Wärme und die Ruhe. Der Hunger liess uns unseren Aufenthalt am Toten Meer unterbrechen und kurzerhand befanden wir uns auf dem Weg zurück nach Amman.

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