Istanbul – Zwischen Europa und Asien

Istanbul empfing uns früh morgens mit frischem und sonnigem Wetter. Nach 2 Stunden Flug hatten wir türkischen Boden unter den Füssen und Europe rückte wieder ein Stückchen näher. Die Neugier auf diese Stadt war gross. Wie werden die Menschen sein? Wie ist wohl diese Stadt?  Wir hatten nur 4 Tage Aufenthalt wollten soviel wie möglich vom Leben der Istanbuler teilhaben.

Spät abends, nach einem gefüllten Tag Istanbuler Kultur und Geschichte, wartete der Freund unseres Gastgebers auf uns. Die Wohnung war klein, aber gemütlich. Uns wurde ein Tee angeboten und sofort versanken wir ein Gespräch. Nach diesem langen Tag nickte Manuela bald auf dem Sofa ein. Unser Gastgeber kam erst spät Abends, erst am nächsten Tag lernten wir Soner persönlich kennen. Ein kleiner, rundlicher Türke mit einem freundlichen Gesicht. Beim gemeinsamem Abendessen sprachen wir über dies und das, genossen Bulgur und frischen Salat und ein gutes Glas Wein. Wir hatten ihn über das Internetportal “couchsurfing” gefunden und waren von seinen Französischkenntnissen beeindruckt. Er, wie viele andere Türken, kam nach Istanbul um hier einen Job zu suchen. Denn die Stadt hat viel zu bieten; nicht nur für den Touristen.

Die Region um das Marmarameer konzentriert 40 bis 50 Prozent der türkischen Wirtschaftsleistung, wo hauptsächlich die hohe Diversifizierung dazu führte, dass 2005 fast die Hälfte aller türkischen Exporte aus Istanbul kam. Dabei wird das Wirtschaftsleben von Börse, Großhandel, Verkehrs-, Bank-, Presse- und Verlagswesen dominiert. Hinzu kommt, dass die Stadt eine wichtige Studienkultur beherbergt. So stammen eine Vielzahl renomierter Universitäten aus früheren Jahrhunderten, so wie die im Jahre 1933 gegründete Universität Istanbul, deren Wurzeln bis ins Jahr 1453 reichen, die 1944 begründete Technische Universität Istanbul, die aus einer 1773 gegründeten Ingenieurschule hervorging.

Ganz zu schweigen von der historischen Wichtigkeit der Stadt. Das ehemalige Konstantinopel  ist mit 13,1 Millionen die meistbevölkerte Stadt der Türkei und auch heute noch durch einen starken Bevölkerungsanstieg gekennzeichnet. Istanbul ist die einzige Metropole der Welt, die sich auf zwei Kontinenten befindet. Geteilt durch den Bosporus, der Meerenge zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer, befindet sich ein Teil der Stadt im europäischen Thrakien, ein anderer im asiatischen Anatolien.

So reisten auch wir tagtäglich aus Asien nach Europa und wieder zurück. Unser Quartier bei Soner befand sich in Kadiköy in Anatolien. Die tägliche Reise mit der Fähre über den Bosporus war für uns, wie für die vielen Einwohner Normalität. Wir mischten uns unter die Mitreisenden, nahmen Platz und schaukelten über das Wasser. Dabei ist der rege Verkehr in dieser Meeresenge bemerkenswert, Segelboote, Transportschiffe, Privatboote und andere Fähren schippern an uns vorbei. Auch der starke Wellengang sowie die beeindruckende Stadtkulisse, machten die zwanzigminütige Überfahrt immer wieder zum Erlebnis.

Natürlich wollten wir während unseres Aufenthalts auch die historischen Höhepunkte nicht verpassen. Das im Süden der europäischen Seite gelegene Stadtzentrum Eminönü besuchten wir unter anderem Hagia Sophia, das heutige Wahrzeichen der Stadt. Ehemals Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und  Ort wichtiger historischer Geschehnisse. Ihre Architektur und ihre Symbolkraft hatten eine grosse Bedeutung für die Christenheit und das ehemalige byzantinische Reich. Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen wurden typische christliche Einrichtungen und Dekorationen umgeändert und als Hauptmoschee der Osmanen adaptiert. Aber auch heute noch erkennt man innerhalb und außerhalb des Monuments typisch christliche Merkmale. Genau gegenüber konnten wir uns auch noch die Sultan-Ahmed Moschee (Blaue Moschee) anschauen, die heutige Hauptmoschee Istanbuls und ein Hauptwerk der osmanischen Architektur. Eine einstündige Busfahrt ermöglichte uns einen besseren Überblick über die Stadt zu bekommen und so kamen wir am Goldenen Horn vorbei, sowie durch die europäisch geprägten Stadtteile Beyoğlu und Beşiktaş, wo sich der letzte Sultanspalast, der Çırağan-Palast, befindet.

Neben den historischen und kulturellen Ereignissen lernten wir an einem Abend Freunde von Soner kennen. Wir wurden auf einen Geburtstag eingeladen, erfuhren mehr über die Herausforderungen des Lebens in Instanbul, über Wünschen und Vorstellungen junger Menschen die den Blick nach Europa richten und stolz auf ihr Land sind.

Um unseren Aufenthalt abzuschliessen genossen wir einen erholsamen Frühlingstag auf der Hauptinsel, die Prinzeninseln im Marmarameer. Nach einer einstündigen Bootsfahrt erreichten wir unser Ziel. Das Boot war prall gefüllt, es war sonniges Wetter. Und wie so oft in den heissen Sommermonaten in Istanbul flüchten die Stadtbewohner auf diese Inseln, und stecken ihre Nase in den frischen Wind.  Genau wie alle anderen schlenderten wir durch die durch die kleinen Gassen, vorbei an alten prunkvollen Sommerhäusern im europäischen Styl, und genossen wie einst die türkische Bourgeoisie das ganz spezielle mediterrane Flair dieser Insel.

Am vierten Tag setzten wir uns um 22Uhr in den Bus und fuhren an die Grenze zu Bulgarien nach Edirne. Hier ging es mit dem Zug weiter nach Bukarest. Istanbul hat uns begeistert und wir wussten, dass wir sicher noch Mal unsere Füsse auf diese beiden Kontinente setzen würden.

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